Rheinhessen – Weinland zwischen Rhein, Kalk und Leidenschaft

Wenn wir über deutsche Weinregionen sprechen, denken viele zuerst an die Mosel, die Pfalz oder den Rheingau. Dabei gehört Rheinhessen zu den spannendsten Weinlandschaften Deutschlands. Eine Region, die sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm entwickelt hat und heute für präzise, charaktervolle und terroirgeprägte Weine steht.

Für uns bei Most & Sprudel ist Rheinhessen dabei mehr als nur eine Weinregion auf der Landkarte. Hier entstehen einige der Weine und Sekte, die wir besonders schätzen. Einer unserer festen Partner ist das Weingut Eppelmann aus Stadecken-Elsheim – mitten im Selztal und damit in einer besonderen Ecke Rheinhessens, die Corinna Eppelmann treffend als „Côte de Selz“ bezeichnet.

Doch beginnen wir am Anfang.

Rheinhessen – Deutschlands grösstes Weinbaugebiet

Rheinhessen liegt zwischen Mainz, Worms und Bingen und ist mit über 27.000 Hektar Rebfläche das grösste der 13 deutschen Weinbaugebiete. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, weiten Weinbergen und einer vergleichsweise trockenen, sonnenreichen Witterung.

Was Rheinhessen besonders spannend macht, ist seine enorme Vielfalt. Unterschiedliche Böden, Höhenlagen und Ausrichtungen schaffen eine Vielzahl von Terroirs – und damit ganz unterschiedliche Ausdrucksformen der einzelnen Rebsorten.

Besonders bekannt ist die Region für Riesling und die Burgundersorten. Aber auch Sauvignon Blanc, Silvaner und zahlreiche weitere Rebsorten finden hier ihren Platz.

Dabei hat sich das Bild Rheinhessens in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Neben traditionellen Familienbetrieben prägen heute viele junge und qualitätsorientierte Winzerinnen und Winzer die Region. Sie beschäftigen sich intensiv mit Herkunft, Boden und nachhaltigem Weinbau und zeigen, wie eigenständig moderne Weine aus Rheinhessen sein können.

Kalk, Löss und uralte Meeresböden

Wer Rheinhessen verstehen möchte, muss unter die Oberfläche schauen.

Die Böden der Region sind ausgesprochen vielfältig. Kalkstein, Kalkmergel, Löss, Ton und Sand prägen unterschiedliche Bereiche. Besonders spannend sind die Kalkböden, die in vielen Teilen Rheinhessens vorkommen.

Ihre Geschichte reicht Millionen von Jahren zurück. Teile der heutigen Weinlandschaft waren einst vom Meer bedeckt. Aus den Ablagerungen dieser Zeit entstanden Kalkformationen, die heute den Charakter vieler Weinberge bestimmen.

Genau hier wird Wein für uns besonders interessant: Nicht nur die Rebsorte entscheidet darüber, wie ein Wein schmeckt. Auch der Boden, das Klima, die Lage und die Arbeit des Winzers hinterlassen ihre Spuren.

Und genau diesen Gedanken findet man in der Côte de Selz wieder.

Die Côte de Selz – Rheinhessen von seiner kalkreichen Seite

Im südwestlichen Umfeld von Mainz fliesst die Selz durch das rheinhessische Hügelland. Bei Stadecken-Elsheim liegt das Weingut Eppelmann – und damit eine Region, deren Weinberge stark vom Kalk geprägt sind.

Die Familie Eppelmann bezeichnet ihre Heimat als Côte de Selz. Der Name ist dabei mehr als eine schöne Bezeichnung. Er beschreibt eine Weinlandschaft, deren Böden und Weinbau eine ganz eigene Identität entwickelt haben.

Im unteren Selztal dominieren kalkreiche Böden. Bei Eppelmann finden sich unter anderem Kalkstein, Kalkmergel und Terra fusca. Letztere entstand aus den verwitterten Kalkablagerungen eines ehemaligen Korallenriffs und gehört zu den besonders charakteristischen Böden der Region.

Das Ergebnis sind Weine, die häufig weniger über opulente Frucht als über Klarheit, Struktur, Mineralität und Spannung erzählen.

Genau diese Art von Herkunft schmeckt man besonders gut bei den Burgundersorten.

Chardonnay und Spätburgunder vom Kalk

Das Selztal bietet ideale Voraussetzungen für Chardonnay und Spätburgunder. Bei Eppelmann nehmen die Burgundersorten deshalb einen wichtigen Platz im Weinberg ein. Rund die Hälfte der Rebfläche ist mit Burgundersorten bepflanzt. Dazu gehören vor allem Spätburgunder, Chardonnay und Weissburgunder.

Besonders Chardonnay hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.

Warum?

Weil Kalk und Chardonnay eine bemerkenswerte Verbindung eingehen können. Der Wein bekommt Struktur und Spannung, ohne seine Eleganz zu verlieren. Bei Eppelmann wird dieser Stil mit viel Aufmerksamkeit für Herkunft und Ausbau weiterentwickelt.

Auch beim Spätburgunder zeigt sich die Besonderheit der Côte de Selz. Die kalkreichen Böden können Weine hervorbringen, die gleichzeitig fein, würzig und strukturiert wirken.

Für uns ist genau das ein Teil dessen, was moderne deutsche Weine so interessant macht: Sie müssen nicht laut sein, um Charakter zu zeigen.

Und dann ist da noch der Sekt

Rheinhessen ist für uns natürlich auch deshalb spannend, weil hier hervorragender Sekt entsteht.

Bei Eppelmann gehört die traditionelle Flaschengärung fest zur Philosophie. Die Sekte werden aus eigenen Trauben hergestellt, von Hand gelesen und nach der klassischen Methode auf der Flasche vergoren.

Ein Sekt wie der Blanc de Noirs zeigt, wie stark Herkunft und Handwerk miteinander verbunden sein können: Spätburgunder vom Kalkstein, traditionelle Flaschengärung und ein reduzierter, terroirgeprägter Stil.

Für uns ist das genau die Art von Sekt, die wir suchen: eigenständig, präzise und mit einem klaren Bezug zu seiner Herkunft.

Die Lagen der Côte de Selz

Wer die Côte de Selz genauer betrachtet, entdeckt schnell, wie unterschiedlich die einzelnen Weinlagen sein können. Obwohl sie geografisch eng beieinanderliegen, bringen Boden, Ausrichtung und Mikroklima jeweils ihren eigenen Charakter mit.

Rund um Stadecken-Elsheim finden sich zahlreiche Weinberge, die von kalkreichen Böden geprägt sind. Besonders interessant sind die unterschiedlichen Ausprägungen des Kalks: von Kalkmergel über verwitterte Kalkgesteine bis hin zu Terra fusca – Böden, die den Weinen Struktur, Spannung und eine besondere mineralische Tiefe verleihen können.

Die Elsheimer Blume z. B. gehört zu den charakteristischen Lagen der Gegend. Ihre südwestliche Ausrichtung und die kalkhaltigen Böden schaffen gute Voraussetzungen für Rebsorten wie Riesling und Chardonnay. In älteren Weinbergen kommt dabei noch ein weiterer Faktor hinzu: tief verwurzelte Rebstöcke können unterschiedliche Bodenschichten erschliessen und damit für zusätzliche Komplexität sorgen.

Es sind genau diese Unterschiede, die den Begriff Terroir greifbar machen. Nicht eine einzelne Bodenart macht den Charakter eines Weines aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Boden, Klima, Lage, Rebsorte und der Arbeit des Menschen.

Rheinhessen und die Renaissance der Herkunft

Rheinhessen steht heute für eine neue Generation deutscher Weine. Viele Winzerinnen und Winzer arbeiten wieder stärker mit dem Gedanken der Herkunft: Wo wächst die Rebe? Was liegt unter ihr? Wie verändert sich der Weinberg über das Jahr? Und wie viel davon soll am Ende im Glas erkennbar bleiben?

Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Einfluss des Winzers auszuschliessen. Im Gegenteil: Guter Wein entsteht aus dem Zusammenspiel von Natur und Handwerk.

Gerade bei Riesling und den Burgundersorten lässt sich dieser Gedanke besonders gut beobachten. Ein Chardonnay vom Kalkboden kann völlig anders wirken als ein Chardonnay von schwereren, tonreicheren Böden. Ein Riesling aus einer warmen, sonnigen Lage entwickelt andere Aromen und Strukturen als einer aus einer kühleren, stärker mineralisch geprägten Parzelle.

So wird Rheinhessen immer mehr zu einer Region, in der man nicht nur nach Rebsorten, sondern nach Herkunft und Lage sucht.

Wenn aus Wein Sekt wird

Auch beim Sekt spielt diese Herkunft eine wichtige Rolle.

Traditionell flaschenvergorene Sekte aus Rheinhessen zeigen, wie viel Ausdruck in einem Schaumwein stecken kann. Die lange Reife auf der Hefe bringt zusätzliche Tiefe und Cremigkeit, während Säure, Boden und Rebsorte für Spannung sorgen.

Besonders spannend wird diese Verbindung bei Sekten aus Riesling, Chardonnay oder Spätburgunder. Die Rebsorten bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit – von der präzisen Säure des Rieslings bis zur feinen Struktur und Würze der Burgundersorten.

Für uns bei Most & Sprudel ist genau diese Verbindung interessant: Wein und Sekt nicht als Gegensätze zu sehen, sondern als unterschiedliche Ausdrucksformen derselben Herkunft.

Rheinhessen bei Most & Sprudel

Rheinhessen ist für uns deshalb eine Region, die wir gerne genauer entdecken und weitergeben möchten.

Mit ausgewählten Weinen und Sekten aus der Region bringen wir ein Stück dieser Landschaft nach Bern. Dazu gehört auch das Weingut Eppelmann aus Stadecken-Elsheim, dessen Weine und Sekte die Charakteristik der Côte de Selz auf ganz eigene Weise zeigen.

Was uns dabei besonders wichtig ist: Wir möchten nicht einfach möglichst viele Flaschen anbieten. Wir suchen Weine mit einer Geschichte, mit Herkunft und mit Menschen dahinter.

Denn genau das macht Wein für uns spannend.

Ein Glas Riesling, Chardonnay, Spätburgunder oder Sekt kann am Ende viel mehr erzählen als nur etwas über die Rebsorte. Es kann von einem Boden erzählen, von einem Jahrgang, von einem Weinberg – und von den Menschen, die daraus Wein entstehen lassen.

Ein Stück Rheinhessen im Glas

Vielleicht ist das auch das Schönste an Rheinhessen: Die Region ist auf den ersten Blick weit und offen. Doch je genauer man hinschaut, desto mehr Unterschiede entdeckt man.

Kalk und Löss. Hügel und Täler. Riesling und Burgunder. Tradition und neue Ideen.

Und irgendwo dazwischen liegt die Côte de Selz – eine kleine, charaktervolle Weinlandschaft, die zeigt, wie vielfältig und spannend deutscher Wein heute sein kann.

Wir bringen ein Stück davon nach Bern.

Ehrlich. Handwerk. Charakter.